Autor:innen:
F. Weschenfelder (Jena, DE)
D. Weber (Köln, DE)
H. Adamczewski (Köln, DE)
S. Karanfil (Bonn, DE)
M. Behling (Köln, DE)
R. Betzholz (Berlin, DE)
B. Sawitzky-Rose (Berlin, DE)
T. Groten (Köln, DE)
M. Kaltheuner (Leverkusen, DE)
Fragestellung
Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) sollen bei Kinderwunsch spätestens zwei Monate vor Konzeption abgesetzt werden. Eine große retrospektive Studie zeigt jedoch keine relevante Zunahme embryotoxischer oder fetopathischer Fehlbildungen sollten die Medikamente nicht rechtzeitig abgesetzt werden [1]. Das Absetzen von GLP-1RA ist häufig mit einer raschen Gewichtszunahme assoziiert. Eine exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft (GWG) erhöht das Risiko für maternale und fetale Komplikationen wie Präeklampsie, fetale Makrosomie und erhöhte Sectiorate[2]. Aktuelle Daten aus einer US-amerikanischen Kohorte beschreiben nach Absetzen von GLP-1RA eine signifikant höhere GWG sowie ein erhöhtes Risiko für Frühgeburtlichkeit, Gestationsdiabetes und hypertensive Schwangerschaftserkrankungen [3]. Dies aktuelle Untersuchung wertet die GWG bei Frauen mit vorbestehendem Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) nach GLP-1RA vor der Schwangerschaft (Schw.) im Vergleich zu einer Kontrollkohorte ohne GLP-1RA in den Daten des GestDiab-Registers aus.
Methodik:
Retrospektive Auswertung von im GestDiab-Register dokumentierten Schw. zwischen 2020 und 2024. Eingeschlossen wurden Frauen mit T2DM, dokumentierter GLP-1RA-Therapie vor der Schw. und Angaben zur GWG. Die Vergleichskohorte wurde nach Alter, prägravidem Body-Mass-Index (BMI) und Diabetesform gematcht.
Ergebnisse:
Insgesamt konnten 41 Frauen mit T2DM nach Absetzen von GLP-1RA mit 41 gematchten Kontrollen verglichen werden. Die mittlere GWG lag in der GLP-1RA-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe (13,4kg, 95% KI 10,4-16,3 vs. 9,4kg, 95% KI 6,9-12,0), allerdings nicht statistisch signifikant. Gemäß den NAM-Empfehlungen zur optimalen Gewichtszunahme in der Schw. lag diese bei nur 32 % der Frauen nach GLP-1RA-Therapie im Zielbereich, verglichen mit 51 % in der Kontrollkohorte. Eine übermäßige und nach GLP-1-RA höhere GWG zeigte zeigten insbesondere adipöse Frauen (61% vs. 45%; N=33 vs. 31). Angaben zum exakten Zeitpunkt des Absetzens lagen nicht vor. Hypertensive Komplikation traten mit 7% vs. 0% bei den Schwangeren nach GLP1-RA häufiger auf (n.s.).
Schlussfolgerung:
Die Analyse der GestDiab-Registerdaten zeigt in Übereinstimmung mit der oben zitierten US-amerikanischen Publikation für eine deutsche Kohorte eine höhere GWG nach Absetzen von GLP-1RA vor der Schw.. Bei noch kleinen Zahlen in dieser Gruppe wird das Signifikanzniveau allerdings nicht erreicht.
Frauen mit T2DM sollten bei Kinderwunsch frühzeitig über dieses Risiko aufgeklärt und interdisziplinär, insbesondere ernährungstherapeutisch und lebensstilbezogen, begleitet werden. Die Teilnahme weiterer Behandlungszentren am GestDiab Register, ein längerer Beobachtungszeitraum und damit höhere Fallzahlen werden dazu beitragen, die Auswirkungen der GLP-1RA in Zukunft valider bewerten zu können.