Autor:innen:
D. Ehrmann (Bad Mergentheim, DE)
T. Roos (Bad Mergentheim, DE)
M. Eiswirth (Bad Mergentheim, DE)
N. Hermanns (Bad Mergentheim, DE)
C. Trümpy (Bern, CH)
D. Brandt (Bern, CH)
P. Diem (Bern, CH)
M. Resl (Linz, AT)
J. Mader (Graz, AT)
L. Heinemann (Bad Mergentheim, DE)
B. Kulzer (Bad Mergentheim, DE)
Fragestellung
Die Therapie mit automatisierten Insulindosier-Systemen (AID) ist zu einer Standardtherapie des Typ-1-Diabetes geworden. In dieser Analyse wurde untersucht, wie einfach oder schwierig der Weg zur Bewilligung eines AID-System für Menschen mit Typ-1-Diabetes und Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes ist, auch im internationalen Vergleich.
Methode
Im Rahmen des dt-reports 2026 (Befragungszeitraum: Nov-Dez. 2025) wurden Menschen mit Diabetes und AID-System sowie Eltern von Kindern, die ein AID-System nutzen, nach dem Bewilligungsprozess für ihr AID-System befragt. Die Antworten aus Deutschland (DE) wurden mit den Antworten aus Österreich (AT) und der Schweiz (CH) verglichen. Für Deutschland wurde zudem analysiert, wie sich Menschen mit privater Krankenversicherung (PKV) und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) hinsichtlich des Bewilligungsprozesses unterscheiden.
Ergebnisse
Daten von 1.724 AID-Nutzenden konnten für diese Auswertung analysiert werden (87,2% Typ-1-Diabetes, 10,6% Eltern, 2,2% anderer Typ). Eine direkte Bewilligung des AID-Systems gaben 69,8% der AID-Nutzenden aus Deutschland an, was signifikant geringer war als in Österreich (90,3%) und der Schweiz (83,3%; p < 0.001). In Deutschland mussten 22% der AID-Nutzenden dokumentieren, dass Therapieziele ohne AID nicht erreicht wurden, 10% musste eine Probezeit mit dem AID durchführen und 9% haben nach einmaligem Widerspruch, 3% nach mehrmaligem Widerspruch nach Ablehnung die Kostenübernahme bekommen. Bei Eltern von Kindern lag die direkte Bewilligung nur knapp über der von Menschen mi Typ-1-Diabetes (75% vs. 72%; p=0.302). Deutsche AID-Nutzende, die privat krankenversichert sind, gaben eine signifikant höhere direkte Bewilligungsrate an als gesetzlich Versicherte (87,4% vs. 67,7%; p < 0.001). PKV-Versicherte mussten signifikant weniger häufig dokumentieren, dass Therapieziele ohne AID nicht erreicht wurden (9,3% vs. 23,8%, p < 0.001). GKV-Versicherte mussten signifikant häufiger Widerspruch nach Ablehnung durch die Krankenkasse einlegen (13,6% vs. 4,6%; p < 0.001).
Schlussfolgerung
Trotz eindeutiger wissenschaftlicher Evidenz für die AID-Systeme, haben es Menschen mit Diabetes in Deutschland schwerer ein AID-System bewilligt zu bekommen im Vergleich zu Österreich und der Schweiz. Interessanterweise lag die direkte Bewilligungsrate bei Kindern nicht höher als bei Erwachsenen Menschen mit Typ-1-Diabetes. In Deutschland zeigt sich zudem ein enormes Gefälle zwischen GKV und PKV hinsichtlich direkter Bewilligung und der Notwendigkeit eines (mehrmaligen) Widerspruchs. Die häufigste Hürde bei der Bewilligung stellte die Dokumentation verfehlter Therapieziele dar, gefolgt von der Durchführung einer Probezeit.