Chronischer Schmerz ist ein sehr häufiger Beratungsanlass in der hausärztlichen Praxis. Rund 20% der Patient:innen in hausärztlichen Praxen haben Schmerzen, die länger als 3 Monate andauern und somit per Definition chronisch sind (1). Hausärzt:innen fungieren als erste Ansprechpartner für alle Gesundheitsfragen und Koordinatoren im Gesundheitssystem und sind für viele Patient:innen die Hauptverordnenden ihrer Medikamente. Sie spielen daher bei der Versorgung von Patient:innen mit chronischen Schmerzen eine bedeutende Rolle. Die auf Dauer angelegte Arzt-Patienten-Beziehung, die Kenntnis des sozialen Umfelds und die „erlebte Anamnese“, die die hausärztliche Arbeitsweise kennzeichnen, sind optimale Voraussetzungen für die Behandlung von Patient:innen mit chronischen Schmerzen. Dennoch stehen Hausärzt:innen bei dem Bemühen, eine ganzheitliche, leitliniengerechte Schmerzbehandlung umzusetzen, vor besonderen Herausforderungen.
Die kürzlich aktualisierte und grundlegend überarbeitete S1-Leitlinie „chronischer nicht-tumorbedingter Schmerz“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (2) versucht Hausärzt:innen hierbei zu unterstützen und zu leiten. Im ersten Vortrag des Symposiums wird die aktualisierte Leitlinie von einer der Leitlinienautorinnen vorgestellt und zur Diskussion gestellt.
Leitlinien beschreiben immer idealtypische Prozesse, die im realen Versorgungalltag meist nicht für alle betroffenen Patient:innen umsetzbar sind. Im zweiten Vortrag des Symposiums wird eine Mixed-Methods-Studie vorstellt, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts RELIEF (www.relief-amed.de) durchgeführt wurde. Ziel war es, zu erheben, welche Versorgungslücken, Barrieren und Förderfaktoren bezüglich der Umsetzung einer leitliniengerechten Schmerzbehandlung im hausärztlichen Bereich bestehen. Hierzu erfolgten schriftliche Befragungen von 131 Hausärztinnen und 290 Patient:innen sowie Interviews mit 21 Hausärzt:innen und 39 Patient:innen. Optimierungspotential konnte insbesondere in den Bereichen Patientenedukation, Pharmakotherapie und nicht-medikamentöse Maßnahmen identifiziert werden. Strategien zur Erleichterung einer leitliniengerechten Schmerzbehandlung im hausärztlichen Bereich werden diskutiert.
Ein Förderfaktor für eine erfolgreiche Leitlinienimplementierung im hausärztlichen Bereich ist unter anderem die Möglichkeit zur Delegation von Aufgaben an Medizinische Fachangestellte und eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit. Der dritte Vortrag des Symposiums zeigt auf, wie Medizinische Fachangestellte, Pflegefachpersonen und ambulante Pflegedienste in die hausärztliche Versorgung von Patient:innen mit chronischen Schmerzen eingebunden werden können. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Motivation und Anleitung zu Self-Care-Maßnahmen.