Hintergrund
Eine repräsentative Studie aus Deutschland zeigt in 2023, dass 49% der Befragten glauben an die Existenz menschlicher „Rassen“, obwohl dies wissenschaftlich widerlegt ist, 90 % erkennen an, dass es Rassismus gibt, 61 % sind der Meinung, dass Rassismus den Alltag prägt und 76 % der People of Colour erleben im Alltag Rassismus. Bisher gibt es nur wenig Evidenz zur Auswirkung von Vorurteilen oder Rassismus auf die Stillberatung und den Stillerfolg.
Zielsetzung
Die historischen und kulturellen Unterschiede im Umgang mit Stillen und Rassismus werden beleuchtet. Das Ziel ist es die Möglichkeit bieten um diesem sensibel Thema im Kontext der Stillberatung zu reflektieren und die Vielfalt der Perspektiven zu berücksichtigen.
Methoden
Narrative Literaturübersicht. Systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, Livivo und Web of Science mit Kombinationen der Suchbegriffe „breastfeeding“, „racism“ and „councelling“. Zusätzlich wurde unsystematisch nach Literatur zur Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung und in der Stillberatung gesucht. Quantitative und qualitative deutsch-, englisch-, französisch- und italienischsprachige Literatur aus 28 Studien wurden ausgewertet.
Ergebnisse
Bis ins 20. Jahrhundert basierte Rassismus auf der Idee, Menschen in biologische Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einzuteilen, diese hierarchisch einzustufen und zu bewerten. Mittlerweile spricht man in der Forschung von „Rassismen“. Zu diesem Konzept des Rassismus existieren Untersuchungen in verschiedenen Kontexten (Bevölkerungs- oder Glaubensgruppen, z.B. Juden, Schwarze, Sinti u.a.).
Afroamerikanische Frauen in den USA stillen seltener und füttern früher zu. Ein direkter Zusammenhang zwischen Rassismus-Erfahrung und Stillen wurde noch nicht untersucht. Negative Auswirkung auf den Stillerfolg durch eine fehlende Auseinandersetzung mit Rassismus kann jedoch über komplexe Mechanismen erklärt werden. Ausgrenzungen können entstehen, wenn Gesundheitspersonal bestimmte Menschen als nicht betreuungs- oder beratungswürdig einstuft. Das negative Körperbild rassifizierter Frauen ist teilweise durch historische Abwertung und Marginalisierung erklärbar und kann Frauen anfälliger für Formula-Werbung werden lassen. Auch chronischer Stress durch Rassismus-Erfahrung erscheint ein plausibler Faktor.
Diskussion
Rassismus steht in erheblichem Zusammenhang mit Unterschieden bezüglich Stillbeginn, ausschließlichem Stillen und Stilldauer. Rassismus im Gesundheitssystem schränkt den Zugang zu Stillberatung und -unterstützung ein und führt zu einem Misstrauen der Mütter gegenüber Stillmaßnahmen sowie einem Selbstwertverlust im Hinblick auf die Stillfähigkeit. Diskriminierungs- und rassismussensible Sprache und entsprechendes Material sollten daher in der Stillberatung, Hebammenlehre sowie -forschung Beachtung finden. Kenntnisse zu möglichen Auswirkungen von Rassismus sollten in Aus- und Fortbildungen vermittelt werden. Diversifizierte Teams in der Stillberatung könnten helfen, kulturelle Unterschiede zu respektieren und Vertrauen zu schaffen. Die Verknüpfung von geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Rassismus sollte erforscht werden, um die Inklusion und das Empowerment in der Stillberatung zu sichern.
Hintergrund: In Europa sind bislang nur wenige qualitative Studien zu rassistischer Diskriminierung im Gesundheitswesen und zu Erfahrungen von Black, Indigenous and People of Color (BIPoC) innerhalb der peripartalen Betreuung veröffentlicht. Ergebnisse, speziell zu rassistischen Diskriminierungserfahrungen von BIPoC in Schwangerschaft, Geburt und früher Elternschaft in Deutschland, liegen bislang nicht vor. Innerhalb der vorhandenen Studien werden Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft und rassistischer Vorurteile sowie respektloses und ignorierendes Verhalten von Gesundheitspersonal angegeben. Auch aufgrund von Sprachbarrieren erschwerte Kommunikation und ein ungenügender Beziehungsaufbau wird als Problem genannt. Zudem werden strukturelle Barrieren, wie der Zugang zu Gesundheitsversorgung, thematisiert.
Zielsetzung: Auch in der Hebammenarbeit hat rassistische Diskriminierung Einfluss auf die Versorgungspraxis und wirkt sich auf die Versorgungsqualität und das Wohlbefinden von BIPoC und ihren Familien aus. Es besteht folglich Bedarf an einer Analyse, um das Ausmaß und die Auswirkungen von Vorurteilen, Stereotypen und rassistischer Diskriminierung in der Hebammenarbeit besser zu verstehen. Die Studie soll dazu dienen, die Wahrnehmungen, Erfahrungen und Perspektiven von Hebammen, in Bezug auf Vorurteile, Stereotype und rassistische Diskriminierung, zu erfassen und die potenziellen Auswirkungen auf die Betreuung von BIPoC in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu analysieren.
Methode: Aufbauend auf einer systematischen Literaturrecherche wurden insgesamt fünf qualitative Interviews geführt. Die teilnehmenden Hebammen und eine Hebammenstudentin wurden gebeten, Beobachtungen aus ihrem Arbeitsumfeld zu Vorurteilen, Stereotypen und rassistischer Diskriminierung aus ihrer Perspektive zu beschreiben. Abschließend wurde nach Lösungsansätzen gefragt.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Vorurteile, Stereotype und rassistische Diskriminierung innerhalb der gesamten Hebammenarbeit Auswirkungen auf die Versorgungqualität für BIPoC haben. Besonders davon betroffen scheinen als Asiat*innen, Inder*innen oder pakistanisch, Muslim*innen, Sint*izze und Rom*nja, Schwarz und Slaw*innen gelesene Personen zu sein. Zudem scheinen Sprachbarrieren Einfluss auf die Versorgungsqualität zu haben.
Diskussion: Strukturelle Gegebenheiten innerhalb des Gesundheitssystems scheinen Vorurteile und rassistische Diskriminierung zu begünstigen. Lösungsansätze wie die Förderung von mehr BIPoC Gesundheitspersonal, geregelte Dolmetschprozesse, eine kultursensible Aus- und Fortbildung und die Aufarbeitung von Diskriminierungsfällen werden als Maßnahmen diskutiert, um strukturellen Rassismus im Gesundheitssystem zu bekämpfen, Vorurteile und Stereotype abzubauen und die Versorgungsqualität von BIPoC in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und früher Elternschaft zu verbessern.
Zielsetzung: Gewalt gegen Pflegepersonal, ärztlichem Personal und Rettungsdienst ist ein Thema, welches bereits in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Auch klinisch tätige Hebammen sind von Gewalt betroffen [1], wobei das Forschungsinteresse bisher eher den Gewalterfahrungen der Gebärenden galt:
„Welche Formen von Gewalt erfahren klinisch tätige Hebammen in deutschen Kreißsälen, wer sind die Akteure, welche Ursachen lassen sich identifizieren und welche präventiven Maßnahmen können zu einer Verringerung dieses Problems beitragen?“
Methoden: Es wurde ein Fragebogen im Mixed Methods Design mit offenen, halboffenen und geschlossenen Fragen entwickelt. Konkret wurde ein Triangulationsdesign zugrunde gelegt, mit dem qualitative und quantitative Verfahren der Datenerhebung kombiniert wurden. Die quantitativen Daten wurden mit deskriptiven statistischen Verfahren ausgewertet, die qualitativen Daten wurden einer Inhaltsanalyse nach Fenzl & Mayring unterzogen. Die Datenerhebung erfolgte mittels Online-Umfrage zwischen dem 10.05.2023 und 23.05.2023 an deutschlandweit klinisch tätigen Hebammen.
Ergebnisse: Von den 345 Fragebögen konnten 322 Bögen wissenschaftlich ausgewertet werden. Von den 322 klinisch tätigen Hebammen gaben 91,9% an, Gewalterfahrungen erlebt zu haben. Als gewaltausübende Personen benannten die Hebammen verschiedene Personengruppen (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Unter den Hebammen, welche Gewalt erfahren haben, waren 50,9% mit physischer Gewalt, 80,1% verbaler/psychischer Gewalt, 20,5% sexualisierter Gewalt, 51,9% struktureller Gewalt und 25,2% kultureller Gewalt konfrontiert. Die teilnehmenden Hebammen wünschten sich Unterstützung in Form von regelmäßigen Supervisionen, Deeskalationstrainings, Gesprächsangeboten, besserer Kommunikation mit allen Beteiligten, besserer Aufklärung über das Thema „Geburt“ und mehr Sichtbarkeit des Themas „Gewalt gegen Hebammen“.
Diskussion: Gewalt gegenüber klinisch tätigen Hebammen im Kreißsaal ist ein deutschlandweites Problem. Es müssen Maßnahmen greifen, damit die klinisch tätigen Hebammen besser vor Gewalt geschützt werden. Es besteht weiterhin Forschungsbedarf zu diesem Thema. Die erworbenen Ergebnisse aus der Umfrage ähneln denen der Pflege [2] bzw. dem Rettungsdienst [3] und spiegeln den bisherigen Forschungsstand wider.
Zusammenfassung: Das Bewusstsein und die Sichtbarkeit des Themas „Gewalt“ sollten in der Öffentlichkeit gestärkt werden. Institutionen, wie Kliniken und Behörden, sollten ausreichende Ressourcen bereitstellen, um übergriffige Verhaltensweisen zu unterbinden. Dies lässt sich durch die Bekämpfung möglicher Gewaltursachen erreichen. Beispielsweise kann durch die Aufstockung des Personalschlüssels, „fehlenden Betreuungskapazitäten“ oder auch „langen Wartezeiten“ entgegengewirkt werden, die häufig Gewaltursachen darstellen. Alle Beteiligten sollten vor, während und nach der Geburt respektvoll miteinander umgehen. Nur so ist eine gute Betreuung im Kreißsaal gewährleistet.
Hintergrund und Zielsetzung:
Die Klimakrise ist laut „The Lancet Countdown on Health and Climate Change“ eine der größten Herausforderungen für die Gesundheit der Menschen im 21. Jahrhundert (Romanello et al., 2021). Dem gegenüber steht die gesellschaftliche Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt. Intimate Partner Violence ist eine Unterform von GBV und betrifft weltweit ca. ein Viertel aller Frauen, die bereits in einer Partnerschaft gelebt haben (World Health Organization, 2021). An der Schnittstelle dieser beiden gesellschaftlichen Problematiken wird wissenschaftlich immer evidenter, dass der Klimawandel bestehende Geschlechterungleichheiten verschärft (Desai & Zhang, 2021; Logie et al., 2024; Van Daalen et al., 2022). In diesem Kontext erzielt diese Abschlussarbeit den Einfluss der Extremwetterereignisse Hitze- und Dürreperioden auf die Prävalenz von Intimate Partner Violence (IPV) gegen Frauen zu untersuchen.
Methode:
Die vorliegende Abschlussarbeit ist eine Literaturarbeit. Nachdem die Forschungsfrage festgelegt worden ist, wurde zwischen Januar und März 2024 eine systematische Literaturrecherche auf den medizinischen Datenbanken PubMed, Cochrane Library, LIVIVO, DOAJ durchgeführt. Hierfür wurden spezielle, englischsprachige Suchbegriffe mithilfe von Booleschen Operatoren verknüpft. Um möglichst passende Studien zu inkludieren, wurden außerdem Ein- und Ausschlusskriterien festgelegt.
Ergebnisse:
Insgesamt wurden acht Studien in die Auswertung der Ergebnisse inkludiert und kritisch in Anlehnung an Brandenburg et al. (2018) beurteilt. Bei den meisten Studien handelt es sich um Querschnittstudien, welche aus niedrig- oder mitteleinkom-mensstarken Ländern (LMIC) stammen. Sechs Studien untersuchten den Einfluss von Dürreperioden auf die IPV-Prävalenz und zwei Studien den Einfluss von Hitzeperioden auf die IPV-Prävalenz. Die Studien, welche die Schnittstelle zwischen Hitze und IPV-Prävalenz untersuchten, zeigten, dass Hitze die IPV-Prävalenz erhöht. Außerdem gibt es Hinweise, dass unter ungebremsten Treibhausgasemissionen die IPV-Prävalenz im Laufe der nächsten Jahrzehnte ansteigen wird. Demgegenüber lieferten die Ergebnisse zum Einfluss von Dürre auf die IPV-Prävalenz inkonsistentere Ergebnisse. Während drei Studien eine eindeutige Assoziation zwischen Dürre und einer erhöhten IPV-Prävalenz erkannten, fanden drei Studien keine oder nur teilweise eine Assoziation.
Zusammenfassung:
Trotz teilweise inkonsistenter Ergebnisse liefert die vorliegende Arbeit Hinweise darauf, dass Hitze- und Dürreperioden zu einer erhöhten IPV-Prävalenz führen. Diese Ergebnisse stimmen mit vergleichbaren Forschungen überein. Dennoch bleiben zahlreiche Aspekte, unter anderem methodischer Art, ungeklärt. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels wird aufgezeigt, wie wichtig die Implementierung des Konzepts ,Planetary Health‘ in die Aus- und Weiterbildung von (werdenden) Hebammen ist.
Einleitung
Im März 2024 gab es in der Stadt Köln 8.882 registrierte geflüchtete Personen (Stadt Köln 2024). Nachdem in früheren Jahren die Anzahl der alleinreisenden Männer, überwog, nahmen 2023 Familien den größten Anteil ein, wodurch sich neue Aufgaben in der gesundheitlichen Versorgung ergeben. Bekannte Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem wie Sprachbarriere, abweichende kulturelle Vorstellungen und fehlende Kapazitäten bei Ärzt*innen können in der reproduktiven Phase von Schwangerschaft, Geburt und postpartaler Zeit zu einer nicht adäquaten gesundheitlichen Versorgung führen (Henry et al. 2020). Das Deutsche Rote Kreuz Köln hat seit 2016 Hebammen zur Versorgung der Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt in den Flüchtlingsunterkünften des DRK angestellt. Der Fokus liegt auf der Grundversorgung, der Informationsvermittlung und der Anbindung an das Regelsystem. Welche Bedeutung und welchen Nutzen diese Hebammenhilfe hat, wurde im Rahmen einer Bedarfsanalyse ermittelt.
Methode
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign in Form von Expert*inneninterviews gewählt. An den 11 Interviews nahmen Vertreter*innen der Flüchtlingsunterkünfte, Schwangerenberatungsstellen, geburtshilflichen Abteilungen, der Psychosozialen Elternberatung, den Frühen Hilfen des Gesundheitsamtes, ein Pädiater und Hebammen des DRK teil. Die Daten wurden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse
Es ergaben sich 6 Hauptkategorien: Herausforderungen in der gesundheitlichen Versorgung, Netzwerktätigkeit in der gesundheitlichen Versorgung, Inhalte der Hebammenhilfe, interprofessionelle Zusammenarbeit, Bedeutung der Hebammenhilfe für das Gesundheitssystem und Anregungen zur Versorgung geflüchteter Schwangerer und junger Mütter. Die Verknappung von Ressourcen in der medizinischen Regelversorgung und rechtliche Restriktionen in der Wahrnehmung von Gesundheitsleistungen für Geflüchtete bedingen, dass Hebammen in Flüchtlingsunterkünften neben dem Weiterleiten an Neztwerkpartner*innen zunehmend eine Grundversorgung der Schwangeren und jungen Mütter übernehmen, bis eine Integration in das Gesundheitssystem vollzogen ist. Damit übernehmen sie die Rolle einer Vertrauensperson für die Frauen und entlasten gleichzeitig die anderen Akteur*innen in der gesundheitlichen Versorgung.
Zusammenfassung
Hebammenhilfe in Flüchtlingsunterkünften scheint zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung, Stabilisierung der Situation und zu höherer Effizienz von Behandlungen zu führen. Die reguläre Implementierung von Hebammenstellen in Flüchtlingsunterkünften kann der transsektoralen Integration auch bundesweit dienen. Arbeitsmodelle unter Einbezug auch von freiberuflichen Hebammen sollten in Betracht gezogen werden.
Hintergrund
Vor dem Hintergrund der Akademisierung des Hebammenberufs sowie der damit einhergehenden gesetzlichen Anforderungen ist von einem steigenden Bedarf an hochschulisch qualifizierten Praxisanleitungen auszugehen. Praxisanleitende Personen führen die Studierende schrittweise an die im Hebammenberuf anfallenden Aufgaben heran und begleiten sie während ihres Lernprozess im Praxiseinsatz (§ 14 HebG). Während Hebammenschüler*innen auf Kompetenzniveau 4 ausgebildet wurden, werden Hebammenstudierende auf Kompetenzniveau 6 mit erweiterten Aufgaben qualifiziert (BMBF & Kultusministerkonferenz, 2024). Wie die Praxisanleitung auf hochschulischem Niveau gestaltet wird wurde bisher wenig berücksichtigt. Auch die Qualifikation von Praxisanleitung auf akademischem Niveau hat bisher kaum Einzug in die hochschulische Weiterbildungslandschaft gehalten (Schlosser, Göken & Larkamp, 2024).
Zielsetzung
Ziel des Beitrags ist es, ein innovatives Konzept der Weiterbildung Praxisanleitung für Hebammen auf akademischem Level zu präsentieren und zu diskutieren.
Methoden
Im Rahmen eines Modellprojektes wurde im dualen Studiengang Hebammenwissenschaft B.Sc ein Wahlpflichtmodul „Praxisanleitung“ mit pädagogisch-didaktischen Inhalten konzipiert. Im 7. Semester erwerben die Studierenden damit die berufspädagogische Zusatzqualifikation zur Praxisanleitung. Um sich als Praxisanleiterin bei der zuständigen Behörde zu registrieren, müssen sie im Weiteren zwei Jahre Berufserfahrung im jeweiligen Einsatzbereich nachweisen (§10 HebStPrV).
Ergebnisse
Die curriculare Verankerung von berufspädagogischen Inhalten im dualen Studium Hebammenwissenschaft kann dazu beitragen, die Ausbildung von hochschulisch qualifizierten Praxisanleitungen zu fördern und den steigenden Bedarf an Praxisanleitungen im Hebammenberuf zu decken.
Zusammenfassung
Der Beitrag gibt Impulse, wie die Zusatzqualifikation zur Praxisanleitung im Rahmen des Hebammenstudiums verankert werden kann. Auch der Deutsche Hebammenverband (DHV, 2021) setzt sich dafür ein, dass neben den klassischen Weiterbildungen zur Praxisanleitung Studiengänge mit pädagogischem Schwerpunkt oder solche, bei denen mindestens 10 ECTS-Punkte mit pädagogisch-didaktischen Inhalten hinterlegt sind, anerkannt werden.
Hintergrund und Zielsetzung
Für viele Studierende und Hebammen in der Praxis ist es eine Herausforderung, in der Fülle an Veröffentlichungen relevante Studienergebnisse zu identifizieren, auf dem aktuellen Stand zu bleiben und Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen. Gleichzeitig haben sich Podcasts zu einem beliebten Medium entwickelt, das flexibel und einfach in den Alltag integriert werden kann. In Deutschland erfreuen sich Podcasts wachsender Beliebtheit und steigender Nutzungszahlen [1, 2]. Vor diesem Hintergrund hat der Studienbereich Hebammenwissenschaft der Hochschule für Gesundheit in Bochum einen neuen Podcast ins Leben gerufen, der aktuelle Studien praxisnah, kurzweilig und verständlich aufbereitet.
Projektbeschreibung
Der Podcast richtet sich an Hebammen in der Praxis sowie an Studierende und Lehrende. Jede Episode ist auf rund 223 Sekunden begrenzt und widmet sich einer aktuellen Studie. Die Themenwahl konzentriert sich auf praxisrelevante Inhalte, die entweder direkt im Arbeitsalltag anwendbar sind oder aktuelle Themen aufgreifen. In den Folgen werden die Studienergebnisse zusammengefasst, die Methodik kurz eingeordnet und die praktische Bedeutung für den Berufsalltag herausgestellt. Die Autorinnen wählen dazu aktuelle Studien aus anerkannten Fachzeitschriften aus und bereiten die Inhalte didaktisch auf. Die technische Bearbeitung übernimmt eine Hilfskraft, und die Hochschulkommunikation unterstützt die Veröffentlichung. Ab Dezember 2024 wird der Podcast im zweiwöchentlichen Rhythmus auf allen gängigen Plattformen erscheinen, um einen kontinuierlichen Wissensfluss zu gewährleisten. Die ersten beiden Folgen beschäftigen sich mit Shared Decision-Making im Rahmen der Erstellung eines Geburtsplans zur realistischen und frau*-zentrierten Geburtsplanung und dem Peanutball zur Unterstützung der Geburtsarbeit.
Ausblick
Durch die kompakte und niederschwellige Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse kann der Podcast nicht nur die Ausbildung zukünftiger Hebammen bereichern, sondern auch eine schnellere Umsetzung evidenzbasierter Erkenntnisse in die Praxis befördern. Dies könnte langfristig zur Verbesserung der Versorgung von Frauen in der reproduktiven Lebensphase beitragen.
Zusammenfassung: Die HebStPrV legt fest, dass erfolgreiche Absolvent*innen der angewandten Hebammenwissenschaft „[…] die Autonomie und Selbstbestimmung der Frauen unter Einbezug […] der sexuellen Orientierung und Transsexualität [sic], Intergeschlechtlichkeit [berücksichtigen und unterstützen]“ (Anlage 1 Absatz III Satz 1 HebStPrV). In einer Zeit, in der sex und gender als diskursiv hervorgebrachte Kategorien gedacht und verstanden werden, erfährt der Anspruch von Hebammen, die Frau stehe im Zentrum der Hebammenbetreuung, eine Transformation. Denn trans Personen müssen die „Entscheidung“ für ein offenes Leben nicht mehr gegen die einer leiblichen Elternschaft treffen (Duval 2023, Parker et al. 2023) Wenn trans und nichtbinäre Menschen leibliche Eltern werden, bedeutet dies eine Zielgruppenveränderung in der peripartalen Gesundheitsversorgung. Verstehen sich Hebammen als Verfechter*innen einer physiologiezentrierten und einfühlsamen Betreuung (Renfrew et al. 2014), ist ihr Engagement für die adäquate Versorgung aller - Frauen, genderqueeren Menschen und ihren Partner*innen, Co-Elternteilen und Begleiter*innen notwendig, denn international berichten trans und nichtbinäre Menschen über Diskriminierungs- bis Traumatisierungserfahrungen rund um die Geburt (Kukura 2022).
Zielsetzung: Im Rahmen eines Praxisprojektes in Studiengang Midwifery B. Sc. an der Hochschule Osnabrück sollte ein erster Einblick in die Umsetzung der Anbahnung von Kompetenzen für genderqueersensible Betreuung in der akademischen Hebammenausbildung gewonnen werden.
Methodik: Es wurde ein multimethodisches Vorgehen gewählt. Zunächst erfolgten qualitative leitfadengestützte Expert*inneninterviews aus zwei Perspektiven: Studierende (n=3) und eine Lehrende (n=1). Die Studierenden lernen an Hochschulen aus drei unterschiedlichen Bundesländern, die Lehrende war in mehreren Hebammenstudiengängen tätig und lehrt zum Themenkomplex queersensible Geburtshilfe. Zudem erfolgte eine Dokumentenanalyse hebammenwissenschaftlicher Modulhandbücher deutscher Hochschulen in Hinblick auf den curricularen Einbezug von genderqueer sensiblen Themen.
Ergebnisse: Es zeichnet sich ein Wandel im Einschluss genderqueerer Lebensrealitäten im hebammenwissenschaftlichen Diskurs ab. Dieser Prozess weist große Differenzen im Lehrumfang je nach Standort auf und scheint derzeit abhängig vom Engagement einzelner Personen(-gruppen). In den Modulhandbüchern zeigt sich der Umgang mit dem genderqueeren Themenkomplex diskrepant in Aspekten wie u. a. Ausführung und Kontextualisierung.
Fazit: Die Notwendigkeit des Einbezuges genderqueerer Themen in die akademische Hebammenlehre wurde erkannt. Der Umgang und die Gestaltung in der Lehre erweisen sich als uneinheitlich und uneindeutig. Damit Hebammen in gesellschaftlichen Veränderungen für eine evidenzbasierte und menschenzentrierte Betreuung einstehen können, scheint vor allem eine multiperspektivistische Zusammenarbeit in der Weiterentwicklung genderqueersensibler Hebammenwissenschaft erforderlich.
Hintergrund: Untersuchungen weisen auf eine Polarisation von Karies im Milchzahngebiss hin (1). Frühkindliche Karies stellt eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kleinkindalter dar und wird in ihren Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Zähne häufig unterschätzt (2). Der Dauergebrauch von Nuckelflaschen mit süßen Getränken stellt in diesem Zusammenhang ein erhebliches Risiko dar (3). Insbesondere Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status oder Migrationsgeschichte erkranken häufiger an einer frühkindlichen Karies. Um das Bewusstsein für ein besseres Mundhygieneverhalten zu steigern, sind zielgruppengerechte Aufklärungsmaßnahmen besonders wichtig (4). Vor allem bei frühkindlicher Karies sollte die Vorbeugung so früh wie möglich einsetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Einbeziehung von Eltern essentiell. Bereits rund um die Geburt kann ein wichtiger Beitrag von Schwangeren und (werdenden) Eltern zur Vermeidung von Karies im Milchzahngebiss geleistet werden. Hinzu kommt, dass Schwangere selbst durch vielseitige Veränderungen während der Schwangerschaft einem erhöhten Risiko von Schwangerschaftsgingivitis und möglicher daraus folgender Parodontitis ausgesetzt sind, was das Risiko für negative Schwangerschaftsoutcomes erhöhen könnte (5,6).
Zielsetzung: Im Rahmen der randomisiert kontrollierten Studie MuMi+ (Gesunde Zähne für Alle: Förderung der Mundgesundheitskompetenz von Klein bis Groß) soll ein digitales Schulungsprogramm (die MuMi+ App) entwickelt und hinsichtlich der Steigerung der Mundgesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren evaluiert werden.
Methoden: Warum habe ich in der Schwangerschaft plötzlich Zahnfleischbluten? Wann muss man bei Kindern mit dem Zähneputzen beginnen? Dies sind Fragen, mit denen Hebammen und Gynäkolog:innen oft konfrontiert sind. Neben einem Modul speziell für Kinder und Jugendliche beinhaltet die App das Modul „Mundgesundheit rund um die Geburt“, welches genau diese Themen („Mundhygiene während der Schwangerschaft“ oder „Mundgesundheit von Kleinkindern“) behandelt. Zusätzlich werden verschiedenste Themen wie Ernährung, Anatomie und Risikofaktoren adressiert. Mit vielseitigen Ratespielen, Videos, und Games werden die Nutzer:innen spielerisch durch die App geführt. Die App ist in fünf Sprachen verfügbar (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Russisch) und verfolgt einen kultur- und migrationssensiblen Ansatz.
In Zusammenarbeit mit Hamburger Gynäkolog:innen und Hebammen sollen insgesamt n=150 Schwangere rekrutiert und zu ihrem Wissen über die Mundgesundheit, Mundhygiene und Versorgungserfahrung befragt werden. Die Schwangeren beantworten bei Besuch in ihrer gynäkologischen Praxis oder von ihrer Hebamme einen Fragebogen zur Mundgesundheitskompetenz und erhalten eine Einführung in die Nutzung der MuMi+ App. Nach ca. 2 Monaten werden die Schwangeren erneut gebeten den Fragebogen sowie Fragen zur App-Nutzung und zu möglichen Verhaltens- und Einstellungsänderungen zu beantworten. Die Gynäkolog:innen und Hebammen werden vor Projektstart von dem Projektteam in die Studie eingewiesen.
Zusammenfassung: Hebammen sind von Beginn der Schwangerschaft bis ins erste Lebensjahr des Kindes oft die ersten Ansprechpartner:innen der Familien. Neben der Sensibilisierung von Hebammen zum Thema Mundgesundheit rund um die Schwangerschaft kann durch das Projekt die Interprofessionalität in der Hebammenarbeit gestärkt werden. Zudem kann die Selbstwirksamkeit der Schwangeren, mit dem eigenen Verhalten die eigene gesundheitliche Situation und die ihres Kindes verbessern zu können, gesteigert werden. Dadurch kann ein wichtiges Präventionsziel zur Verbesserung der Mundgesundheitskompetenz geleistet werden.
1. Schmoeckel J, Santamaría RM, Basner R, Schankath E, Splieth CH. Mundgesundheitstrends im Kindesalter. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. 2021;64(7):772-81.
2. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Bundeszahnärztekammer. Frühkindliche Karies vermeiden: Ein Konzept zur zahnmedizinischen Prävention bei Kleinkindern. Berlin: Locher Print- & Medienproduktion; 2014.
3. Kraljevic I, Filippi C, Filippi A. Risk indicators of early childhood caries (ECC) in children with high treatment needs. Swiss Dent J. 2017;127(5):398-410.
4. Aarabi G, Schenk L, Kuhr K, Jordan AR, Lieske B. Disease and care prevalence of people with migration history: Results of the 6th German Oral Health Study (DMS • 6). Quintessence Int. 2025;56( Suppl.3):120-125 .
5. Lieske B, Makarova N, Jagemann B, Walther C, Ebinghaus M, Zyriax BC, et al. Inflammatory Response in Oral Biofilm during Pregnancy: A Systematic Review. Nutrients. 2022;14(22).
6. Zyriax (Hrsg.). Fachbuch Schwangerschaft und Stillzeit - Ernährung, Lebensstil, Prävention interprofessionell. 1. Auflage, München: Elsevier GmbH; 2023.
Hintergrund & Motivation
Die Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen (§28 HebStPrV, 2020) sieht staatliche praktische Prüfungen in verschiedenen Kompetenzbereichen vor. Die staatliche Prüfung Wochenbett und Stillzeit im Studiengang Hebammenwissenschaft B. Sc. wird in der verantwortlichen Praxiseinrichtung mit Wöchnerinnen und Neugeborenen absolviert. Zusätzlich zur praktischen Performanz sind die Studierenden gefordert, einen Betreuungsplan für die Prüfungssituation zu erstellen. Die besonderen Herausforderungen bei der Gestaltung eines strukturierten Wochenbettbesuches mit Mutter und ggf. einem schreienden Kind innerhalb einer vorgegebenen Zeit, müssen bereits frühzeitig praktisch geübt werden. Durch die Akademisierung gibt es nun auch eine gesetzliche Pflicht zur Durchführung von Praxisbegleitung. Mit dem Ziel, die Studierenden bestmöglich und in Zusammenarbeit von Hochschule und Praxis auf die täglichen Anforderungen an Hebammen und die staatlichen praktischen Prüfungen vorzubereiten, wurde ein Praxisbegleitkonzept entwickelt und implementiert.
Konzeptbeschreibung
Das Praxisbegleitkonzept, das die Studierenden auf die staatlichen praktischen Prüfungen vorbereitet, soll in dem geplanten Vortrag im Sinne eines Best-Practice-Beispiels, mit Fokus auf die staatliche Prüfung Wochenbett und Stillzeit vorgestellt werden. Konzeptleitend ist die gemeinsame praktische Tätigkeit von Studierenden, Praxisanleitung und Praxisbegleitung im 1:2 Verhältnis während des gesamten Studiums. Hierbei liegt der Fokus auf der praktischen Arbeit mit Klient*innen. Handlungsleitend ist insbesondere die Gestaltung einer vertrauten sowie stressfreien Lern- und Prüfungsumgebung. Daher wird die praktische Anleitungssituation am späteren Prüfungsort jeweils von Gesprächen eingerahmt, die durch Feedback, Austausch und Reflektion einen guten Theorie-Praxis-Transfer als Vorbereitung auf die staatlichen Prüfungen ermöglichen. Im dritten und sechsten Semester findet Praxisbegleitung in Form von Wochenbettbesuchen zunächst bei Mutter oder Kind und anschließend bei beiden statt. Zusätzlich formulieren die Studierenden Betreuungspläne und erhalten am Ende ein Feedback zur gesamten Performanz durch die Praxisbegleitung und -anleitung. In inhaltlich aufeinander aufbauenden Schwerpunkten bereiten die Praxisbesuche so konkret auf die staatlichen praktischen Prüfungen vor. Ergänzend findet die theoretische Nachbereitung dieser Praxisbesuche in Reflexionsseminaren an der Hochschule statt. Somit haben die Studierenden die Möglichkeit von den Erfahrungen aller Lernenden zu profitieren. Die gelungene Prüfungsvorbereitung ist von vielen Einflussfaktoren, wie bspw. der Motivation aller Beteiligten, abhängig. Somit werden durch Lehrende und Lernende gemeinsam die Bedingungen geschaffen, dass das Praxisbegleitkonzept erfolgreich zur Prüfungsvorbereitung beitragen kann.
Kritische Reflexion
Die Modulevaluationen unterstreichen, dass das Praxisbegleitkonzept sich positiv auf die Qualität von Studium und Lehre auswirkt.
Ausblick
Nach Qualifizierung der ersten Kohorte ist eine Evaluation des Konzepts mit den Studierenden sowie den Praxisanleitenden der kooperierenden Praxisorte geplant.