Autor*innen:
A. Pfeiffer (Krumbach, DE)
D. Kahlke (Heidenheim, DE)
E. Hoffmann (Heidenheim, DE)
Zielsetzung:
Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurden die Bedeutung eines zu kurzen Zungenbandes (kZB) auf den Stillerfolg bei Mutter-Kind-Dyaden analysiert, mit dem Ziel praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Hebammen und andere Fachpersonen in der Laktationsberatung zu entwickeln.
Im Fokus steht die Darstellung eines adäquaten Managements von Mutter-Kind-Dyaden mit Säuglingen mit kZB, insbesondere mit Blick auf die Hebammenarbeit (z.B. positive Auswirkungen einer frühzeitigen Diagnose und einer gezielten Betreuung für den Stillverlauf). Die Arbeit baut auf einer Vorfeldforschung im Rahmen des Studiums auf, die erste Einblicke in die Relevanz des kZB für den Stillerfolg lieferte.
Methoden:
Im Rahmen der Bachelorarbeit wurde eine strukturierte Literaturrecherche durchgeführt, um den aktuellen Stand der Forschung zu kZB und dessen Auswirkungen auf das Stillen zu erfassen. Zusätzlich wurden drei qualitative Expert*inneninterviews mit Fachkräften aus der Laktationsberatung zur Thematik kZB durchgeführt, basierend auf einem in der Vorfeldforschung erstellten Interviewleitfaden. Die Auswertung der Interviews erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
Ergebnisse:
Die Ergebnisse zeigen, dass ein kZB häufig zu Problemen beim Stillen führt, darunter ineffektives Saugen, Anhaftungsschwierigkeiten und Schmerzen bei der Mutter (Cordray et al., 2023, S.354f; Pfeiffer, 2024, S.30). Resultierend daraus entsteht eine erhöhte Abstillrate (Guinot et al., 2022, S.36f). Die Expert*innen betonten die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose (Pfeiffer, 2024, S.31) sowie einer engmaschigen interdisziplinären Betreuung (Pfeiffer, 2024, S.38). Zudem wurde deutlich, dass einheitliche Leitlinien in der Diagnostik und Behandlung des kZB erforderlich sind, um den Stillerfolg nachhaltig zu verbessern (Fraga et al., 2021, S.4f).
Zusammenfassung:
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von kZB, unterstützt durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, wesentlich zum Stillerfolg beitragen kann. Eine qualifizierte Stillberatung sowie evidenzbasierte Leitlinien sind unerlässlich, um Stillprobleme bei betroffenen Mutter-Kind-Dyaden zu reduzieren. Darüber hinaus wird betont, dass eine umfassende fachlich qualifizierte Stillbetreuung während der postnatalen Phase notwendig ist, um die Abstillrate zu senken und die langfristige Gesundheit von Mutter und Kind zu fördern.
Eine Weiterbildung von Hebammen zur spezialisierten Beratung in Bezug auf kZB und zur Durchführung von Schnittfrenotomien wird als denkbar und wünschenswert erachtet, wie es beispielsweise bereits im Rahmen einer Weiterqualifikation auf Master-Niveau im Vereinigten Königreich umgesetzt wird (Birch et al., 2021, S.707f). Die Arbeit weist zudem auf bestehende Forschungslücken hin, insbesondere in Bezug auf das Management von kZB im deutschen Gesundheitssystem. Es wird empfohlen, weitere praxisnahe Untersuchungen und evidenzbasierte Leitlinien zu entwickeln, um die Betreuung von Mutter-Kind-Dyaden mit kZB in der Zukunft zu optimieren.